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von admin am 23.02.2013 um 15:35:59

Zuerst Pablo Hallers "Südwestwärts" im Gonzo Verlag, jetzt gleich zwei neue Bücher bei Songdog - Jerk Götterwinds Poetryband "Am Ende des Tages" und der Roman "The Brave" von Gregory Mcdonald. Das erste Quartal macht uns Hoffnung! 

 

von admin am 25.10.2012 um 02:17:09

Wir entschieden uns für Muscheln in Weißwein.
Die zwei Pärchen am Nachbartisch unterhielten sich
über ihr Einkommen und die hohen Einkommenssteuern.
Eine der beide Frauen sagte: „Da läuft doch was falsch!“
worauf der Typ neben ihr etwas von Brecht rezitierte, worauf
die andere Frau von einem Adorno-Seminar erzählte, worauf
der Typ gegenüber Freuds Lustprinzip ins Spiel brachte, worauf
aber die Frau vom Anfang Nietzsche nicht verstand.

Als ich die Kellnerin um die Rechnung bat
waren sie bei der Finanzkrise angelangt.

Die Muscheln waren nicht schlecht.
Trotzdem hatte ich nach dem Essen Sodbrennen.

von admin am 05.10.2012 um 18:49:58

"Ich bin ein Scheißkerl." Mit diesem Satz beginnt Andreas Niedermanns mittlerweile zehnter Roman Goldene Tage. Und tatsächlich scheint Rambo Rimbaud, der Erzähler und Protagonist der Geschichte, auf den ersten Blick nicht viel mehr, als ein kaltschnäuziger Kleinganove zu sein. Einer dieser abgebrühten Scheißkerle eben, denen letztendlich jedes Mittel recht ist, andere abzuzocken, um selbst abzusahnen.

Andererseits sind da auch die Van Gogh-Sterne am korsischen Nachthimmel und jene unerklärliche Sehnsucht, durch das Tor des Trainingscamps der Fremdenlegion zu gehen. Doch bevor Rimbaud durch das Tor geht, will er erst etwas "Richtiges" versuchen; ein großes Ding drehen, damit sich der Kommiss bei den Legionären auch lohnt.
Zurück in der Schweiz gerät er mitten in die Jugendunruhen der frühen 80er. Während in Basel die Müllcontainer brennen und von den Straßen beißender Tränengasnebel dampft, deckt Rimbaud seine Lebenshaltungskosten mit kleineren Einbrüchen und Drogengeschäften. Er verliebt sich in die schöne Zora und lernt Denise kennen, ein "crazy Mädchen" mit außergewöhnlichen Kniescheiben.
Schnell wird klar, dass die Distanz mit der Rimbaud sowohl seine Umwelt, als auch sein Innenleben schildert, nicht von Verachtung herrührt, sondern die Konsequenz einer selbstverständlichen Aufrichtigkeit ist, die ihn von der Welt der scheinheiligen Gutmenschen und aufklärerischen Idealisten entfremdet. Gleichwohl gibt es da Nick Drake, einen Bruder im Geiste, der Rimbaud in den schlimmsten Momenten seiner Isolation beisteht: "Seine Songs berührten mich auf eine Weise, die ich nicht beschreiben mag. (...) Das Leben ist traurig. Traurige Songs über das traurige Leben machen mich glücklich. Das ist wie Mathematik."
An einigen Stellen musste ich an Michael Cullen denken, jenen "Angry Young Man" aus Sillitoes A Start in Life, der, wie Rimbaud, gar nicht wütend ist. ("Wut ist schlecht fürs Geschäft.") Was Cullen und Rimbaud in den Augen des bürgerlichen Spießers gefährlich macht, ist deren Denkweise und Handeln jenseits konventioneller Moralvorstellungen: "Was immer ich tat, es war egal. Ob ich zurück ging oder nicht, es war egal. Ob ich mein Wort hielt oder nicht, es war egal."
Schließlich stößt Rimbaud auf den alten, ehemals erfolgreichen Schriftsteller Andreas, der inzwischen nur noch für sich selbst schreibt. Als ihm dieser von seiner Zeit bei der Bahnpost und den dortigen Goldtransporten erzählt, weiß Rimbaud, was zu tun ist. Er wird dieses Gold mit Andreas´ Hilfe stehlen.

Dass der Schriftsteller im Buch und der reale Autor von Goldene Tage mehr als nur den Vornamen teilen, ist offensichtlich. So legt Niedermann, nicht ohne ein Augenzwinkern, seinem Alter Ego manch eigenen Standpunkt in den Mund: "Und obschon ich noch nie einen Schriftsteller gekannt hatte, glaubte ich zu wissen, dass er die Ausnahme von der Regel war, denn ich hatte schon gehört, dass die Vertreter dieses Berufs oft nicht in der Lage waren, ihren Arsch im Dunkeln zu finden, wenn dort nicht gerade der Scheck für einen erhaltenen Literaturpreis hing. Ja, so hatte ich es gehört. Von Andreas."
Wenn dann der Alte mit Rimbaud jenen folgenschweren Deal aushandelt (den ich hier nicht verraten werde), so ist das, wie ein Versprechen Niedermanns an sich selbst. "Hemingway hatte recht, als er sagte, dass man eine Geschichte nur lange genug verfolgen müsse, um ihr trauriges Ende zu sehen."
Diese Abgeklärtheit und die Nonchalance mit der Rimbaud seine Geschichte erzählt, hat nichts mit Pulp Fiction-Coolness oder Pseudo-Milieustudien zu tun. Niedermanns Sprache ist ehrlich. Sein Ekel verständlich, sein Mitfühlen aufrichtig.
Für mich ist Goldene Tage Niedermanns bislang bester Roman. Ein Buch, das durch seine Authentizität und herbe Schönheit wie ein funkelnder Nugget aus dem Bodensatz gegenwärtiger Neuerscheinungen hervorsticht. - Das sowieso. 

Andreas Niedermann: "Goldene Tage", erschienen im Songdog Verlag, Wien, 207 Seiten, 18 Euro 

von admin am 12.09.2012 um 13:06:39

Pünktlich zum goldenen Herbst und wärmstens zu empfehlen: Andreas Niedermanns zehnter Roman "Goldene Tage", ein Roman troubles mitten in den Jugendunruhen der 80er. Erhältlich im Buchhandel oder versandkostenfrei über den Songdog Verlag. Dazu bald meine Rezension im neuen Drecksack

von admin am 27.06.2012 um 20:01:30

Bis vor kurzem brachte ich Ry Cooder ausschließlich mit Wim – „Ich habe Gott wiedergefunden“ – Wenders in Zusammenhang, zu dessen Film Paris, Texas Cooder 1984 den Soundtrack lieferte. Das hatte zur Folge, dass ich auch von Cooder nichts wissen wollte. Die Kenner unter Ihnen werden jetzt sagen, was für ein ignorantes Arschloch! Und ihr habt ja recht. Aber liebe Leute, ich hatte wirklich keine Ahnung.

Nun wollte es der Zufall, dass mir mein Freund und Nachbar Franz Dobler vor zwei Wochen Cooders Debütroman In den Straßen von Los Angeles in die Hand drückte. Und hey! Bereits die erste Story im Buch überraschte mich absolut angenehm.
Anders als sein Kumpel Wim kommt Cooder ganz ohne Weichzeichner und Breitwand-Sonnenuntergang aus. Kein Artsy-Fartsy. Kein Kitsch. Und trotzdem, oder gerade deswegen, sind Cooders acht Kriminalgeschichten, die alle im Nachkriegs-Los Angeles der 40er und 50er Jahre spielen, verdammt anrührend.
Dabei geht es Cooder nicht um das alte, weiße Hollywood von James Stewart und Judy Garland. Sein L.A. ist nicht die Stadt der Engel, sondern die Endstation des American Way of Life. Eine ausrangierte Straßenbahn am Strand von Playa del Ray. Showdown in den Dünen. „Wohin? Da vorn ist der Ozean, viel weiter geht’s nicht.“

Die Protagonisten sind Verlierer: Ein Maßschneider für Hipsterkleider, dem bei einer Séance mit Korla Pandit der Geist von Johnny Ace begegnet; ein morphiumsüchtiger Requinto-Spieler, der im Million Dollar-Kino Zeuge eines Mordes wird; der Teilzeit-Automechaniker „Atomic Bomb“ Saunders und sein Hund Scrubby; ein Steel Guitar spielender Zahntechniker mit kaputten Beinen...
Cooder begleitet seine Figuren auf ihrer Jagd nach dem großen amerikanischen Traum vom schnellen Geld, einer Karriere im Showbiz oder auch nur auf der Suche nach einem Arzt, der aus einem Penis eine Muschi macht. Er fährt mit ihnen durch die Wüste, klappert mit ihnen die Musikschuppen auf der Central Avenue ab; und er ist da, wenn einer von ihnen auf dem Parkplatz vorm Los Amigos zusammenklappt.
In den Nebenrollen glänzen neben Alkis, Pachuco-Jungs in violetten Zoot-Anzügen, schwulen Christen, Kommunisten und der zauberhaft hüpfenden Cheerleaderin Betty, einige Prominente wie John Lee Hooker, Merle Travis und Joe Maphis.

Cooders Schreibe bleibt angesichts der zahlreichen surrealen Begegnungen und trotz aller Schicksalsschläge, die er seine Helden durchleben lässt, erfreulich unaufgeregt. Der Grundton ist ganz in der Tradition der alten Noir-Meister, deren hartgekochtes Vorbild Cooder stellenweise auch karikiert. Das wiederum erinnert stark an Bukowskis letzten Roman „Pulp“, in dem, wie bei Cooder, neben den typischen Hardboiled-Zutaten, auch Aliens und Geister mitmischen.

Ay hombre, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann dir so ziemlich alles passieren. Und auch wenn dich dein Glück verlässt, liegt selbst im Scheitern noch Hoffnung und die Chance eines Comebacks.
So auch in Töten Sie mich, bitte, meiner Lieblingsgeschichte aus In den Straßen von Los Angeles, in der Billy Tipton, ein Jazzpianist, der physisch eigentlich eine Frau ist, dem abgebrannten Drummer Al Maphis für eine Autofahrt von einem kleinen Hinterwäldlerkaff in Arizona nach Los Angeles 2000 Dollar bezahlt. Maphis bringt Tipton und dessen noch minderjährige Freundin Betty, die beide wegen Mordes vor den Cops auf der Flucht sind, mit seinem alten Buick über die Grenze.
In L.A. angekommen schafft es Maphis, Betty, die von einer Laufbahn als Sängerin träumt, in der Show von Johnny Dolor and the Five Pains als Tittennummer unterzubringen. Noch vor ihrem ersten Auftritt, kommt ein Mann in den Club...

„Der Mann sprach mich an. »Gehört das Mädchen Ihnen? (…) Ich bin John Lee Hooker. Ich hab zur Zeit den Nr.-1- Hit in Detroit. Aber in eurer Stadt bin ich nur´n Fremder, und nur weil ich´n Fremder bin, glaubt jeder, er könne mich wie´n Hund rumstoßen. Ich brauch jemanden, dem ich von meinen Sorgen erzählen kann.« Er zog nochmal fünfhundert von seiner Rolle. »Ich hab´n großen«, sagte er zu Betty.“ 

Ry Cooder: "In den Straßen von Los Angeles", Aus dem Amerikanischen von Franz Dobler, erschienen in der Edition Tiamat, Berlin, 287 Seiten, 18 Euro 

von admin am 06.04.2012 um 23:05:30

"...in Wirklichkeit führt uns die Geschichte in die totale Vernichtung, sodass das Problem darin besteht, ihr ein Ende zu setzen" 

Das und mehr in der neuen floppy, erhältlich unter www.floppymyriapoda.de

Kaufen! 

von admin am 24.03.2012 um 00:00:55

"aus Wut und Kampf und Idealismus" 

Andreas Niedermann über die neue Ausgabe des Superbastards. 

Sperma und Eierlikör 

Kai Pohl in der jungen Welt über interessante Literaturmagazine, darunter der Drecksack, Der Mongole wartet und Superbastard. 

von admin am 29.02.2012 um 02:23:43

nur drei Euro!

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