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von admin am 01.02.2015 um 17:52:06

Michael Schmidt: Hallo Benedikt. Stell dich doch mal vor!

Benedikt Maria Kramer: Manche sagen, ich sei einfühlsam, scharfsinnig und hingebungsvoll. Andere sagen was anderes. Eine Charaktereigenschaft, die vielleicht alle in ihrem Urteil einigt: Intensität

Zum Lebenslauf – siehe bitte hier: http://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/KramerBenediktMaria


Was ist der Superbastard?

Ein Literaturmagazin, dass ich regelmäßig herausgebe.


Und wer steckt alles hinter dem Namen Superbastard?

Ich allein stecke dahinter. Ich wähle Thema und Texte aus, gestalte das Layout. Anfangs hat mir mit der Gestaltung noch mein Freund Florian Schanz geholfen.

Mit Herrn Schanz stehe ich übrigens immer wieder als Musik-Duo „Das Ding und Alfredo Garcia“ auf der Bühne. Er spielt Akkordeon oder Klavier und ich spreche oder singe meine Texte dazu.

Zurück zum Bastard: klar – ganz alleine könnte ich das Magazin natürlich nicht rausbringen… Den Stoff dazu liefern mir viele, teilweise sehr lieb gewonnene Autoren, Künstler und Fotografen. Letztendlich gedruckt wird das Magazin dann bei Benno Käsmayr vom Maro Verlag, der mir mit dem Preis immer sehr entgegenkommt. Ein großer Beistand war und ist mir natürlich auch Andreas Niedermann aus Wien, in dessen Songdog-Verlag der Superbastard seit der vierten Ausgabe zuhause ist.


Wie viele Ausgaben sind bisher erschienen?

6 plus eine Sondernummer.


Ihr habt Themenausgaben. Warum und nach welchen Kriterien wählt ihr die aus?

Das geht so: Ich kriege regelmäßig unaufgefordert irgendwelchen Mist zugeschickt… Das meiste lese ich nur an. Schlimm genug, dass Leute ihre Zeit damit verschwenden, Sätze aneinander zu reihen, aber warum ziehen sie mich da mit rein? Ab und zu ist allerdings was Gutes dabei. Wenn dann zwei, drei gute Texte thematisch unter einen Hut gehen, hab ich eine Überschrift. Die letzten beiden Male war allerdings jeweils ein Foto für den Titel ausschlaggebend.


Rebellion heißt die aktuelle Ausgabe. Klingt einerseits nach Politik, andererseits nach Punk.

Der Superbastard ist nicht und war nie ein Punkmagazin! Die meisten Menschen, die ich kennenlernen durfte, und die von sich behaupteten, dass sie Punks wären, waren genauso spießig, ignorant und borniert wie die Teilnehmer einer CSU-Klausur. Nach dem Motto: Jeder, der einen Anzug trägt und gern in sauberer Bettwäsche schläft, muss ein Faschist sein.

Nicht viel anders geht es mir übrigens mit sogenannten Linken, die Israel und die USA als Unrechtsstaaten verteufeln, jedoch Russland trotz autokratischer Führung und homophober Gesetzgebung in Schutz nehmen.

Politisch? Mein Gott! Ja, okay. Alles ist schließlich politisch, irgendwie.


Habt ihr eine bestimmte Absicht mit eurem Magazin?

Außer reich und berühmt werden, nein.


Was denkst du, in was für einer Zeit wir gerade leben und was läuft gut bzw. schlecht?

Wir leben in einer Zeit, in der sich viele über Neoimperialismus, Neokapitalismus und Lohndumping aufregen, gleichzeitig aber gern ihre Freizeit in IKEA-Ausstellungsräumen verbringen oder mit dem Billigflieger nach Thailand jetten und dort gefakte Rolex-Uhren und Ray-Ban-Brillen kaufen. Alles muss geschenkt oder fast umsonst sein. Und das Putenschnitzel aus dem Discounter soll natürlich auch im Dauerangebot bleiben. Wenn dann jemand resistente Keime im Fressi findet, ist der kollektive Aufschrei groß. Überhaupt ist man diese Tage gerne empört, und das am liebsten anonym in der Masse.

Ähnlich verhält es sich mit dem Phänomen Pegida. (Darüber wolltest du wahrscheinlich etwas hören.) Die „Islamisierung des Abendlandes“ dient als künstlicher Aufhänger. Wahrer Grund der Demonstrationen ist die Hilflosigkeit der Aufmarschierenden gegenüber einer sich immer schneller wandelnden sozialen Ordnung. Gesellschaftspolitische Modifikationen wie beispielsweise die Gleichstellung der Geschlechter, die Aufweichung heteronormativer Konventionen usw. machen ihnen Angst. Unfähig sich neuen Normen anzupassen oder – besser – diese im aufklärerischen Sinne zu verstehen, bleiben sie die Ewig-Gestrigen.
Eine weitere Überforderung sind sich rasant verändernde technische Standards. Wir benutzen täglich Rechner und Smartphones, haben aber in der Regel keine Ahnung, warum das Gerät funktioniert, geschweige denn wie es hergestellt wurde und welche wirtschaftlichen Konsequenzen der Kauf bzw. Konsum mit sich bringt. Wir sind abhängig von Dingen, die wir nicht verstehen. Doch wer diese Abhängigkeit vom wirtschaftspolitischen Apparat – die wir, wie gesagt, mehr oder weniger alle teilen – in der postindustriellen Gesellschaft nicht akzeptiert bzw. sich durch Kreativität oder individuelle Gegen- und Lebensentwürfe intellektuell wie emotional distanziert, muss letztendlich verbittern. Da man den Feind aber nicht besiegen kann, und im Grunde nicht einmal erahnt, wer dieser Feind ist – nämlich die eigene Beschränktheit/Unbeweglichkeit – stürzen sich schwache Menschen, die mit einer Menge anderer schwacher Menschen eine größere Schnittmenge bilden (Hautfarbe/Nationalität/Religion/sexuelle Orientierung/Fußballverein), gern auf jene Menschen, die durch die Größe ihrer vermeintlichen Gruppenzugehörigkeit zu den Schwächeren gehören (Ausländer/fremde Religion/Menschen mit abnormer Sexualpräferenz). DAS nenne ich Faschismus!

Aber ich hoffe, dass das Phänomen Pegida am Ende des Jahres nur eines von vielen Kapiteln im großen ZDF-Jahresrückblick ist. Sobald im Berliner Zoo eine Eisbärin ein Junges wirft, Deutschland Papst oder Weltmeister wird, beruhigen sich wieder die schlichten Gemüter.

Was gut läuft: die Entvölkerung und somit Verwilderung ganzer Landstriche, die allmählich fortschreitende Akzeptanz von Drogen, die Alkoholauswahl in Bars und die mitunter umwerfende Qualität amerikanischer Serien.


Für wann ist Superbastard #7 geplant und welches Thema beackert ihr dieses Mal?

Also, ich denke nicht, dass ich das noch lange mache. Es ist sowieso schon schwer genug, das Geld für den Druck wieder reinzukriegen. Wenn dann aber Leute bestellen und, wie im Moment, nicht zahlen, kann ich den Laden dicht machen.
Mal sehen, wahrscheinlich geht es Mitte des Jahres wieder weiter. Letztendlich bin ich Idealist.


Ein Wort an die Leute dort draußen!

Danke, dass Sie eingeschaltet haben. 

Das Interview erschien auf: http://defms.blogspot.de/2015/01/superbastard-interview.html 

von admin am 12.08.2014 um 15:45:01

Wer die Bücher von Andreas Niedermann kennt, wird beim Lesen seines neuesten nicht überrascht sein. Das ist schön, denn der Autor bleibt seinem unverwechselbarem Kampfstil treu: Kein Schattenboxen, dafür jede Menge Haken und Seitenhiebe, insbesondere auf seine unmittelbaren Nachbarn im 4. Wiener Bezirk. Oft geht es ums Boxen und ums Schreiben an sich, und wer genau hinhört, begreift schnell die Konnexion zwischen beiden Disziplinen in Niedermanns Kosmos. 

Doch anders als in den meisten anderen seiner Bücher, lässt der Autor hier den Leser gefährlich nahe an sich heran. Das könnte manchem wehtun, denn Niedermann polemisiert, poltert und geifert noch kompromissloser als sonst; man spürt seine Frustration und auch den Hass auf die Wiener Ignoranz und den kleingeistigen, braunen Sumpf, der sie umspült: „Warum mampfen sie nicht noch einen ’Mohr im Hemd’, saufen noch a Achterl zum Frühstück oder schießen sich eine Kugel in den Kopf?“ 

Von Viktor zu Hartmann ist kein Roman. Es gibt nicht die eine Geschichte. Es sind viele. Die Gedanken und Einfälle eines Schriftstellers nach seinem täglichen Training im Fitnessstudio oder auf dem Weg dorthin; tagebuchartig, lässig, pointiert. 

Und klar, es sind vor allem Schmähtexte, und so etwas kann einem nach ein paar Seiten auch auf den Sack gehen. Hier allerdings nicht, denn Niedermann ist kein Hassprediger. Da ist immer wieder der Selbstzweifel und eine subtile, aber spürbare Selbstironie. Und das Beste: Es ist stellenweise verdammt witzig: „Zwei Minuten später lese ich, dass der Schauspieler Bruno Ganz ganz fürchterliche Angst vor dem Tod hat. Das wiederum finde ich gut.“ 

An anderen Stellen beschreibt der Autor Begegnungen mit den Menschen im Viertel und auch Selbstbeobachtungen sehr feinsinnig, trotz oder gerade wegen jener unverblümten Schnoddrigkeit: „Der Grant verwandelt mich in einen Hikikomori, in einen Menschen, der sich in sein Zimmer einschließt, um der Menschheit zu entgehen. So einer bin ich. Ich mag die Japaner (…) Sie haben die schönsten Worte für schlimme Zustände. Hikikomori ist so eins.“ 

Letzten Endes zeigt Niedermanns Von Viktor zu Hartmann, denke ich, dass Misanthropen die wahren Menschenfreunde sind. Wer Empathie empfindet, muss verzweifeln oder es mit Humor nehmen, sich selbst eigeschlossen. Das ist gut zu lesen. 

Andreas Niedermann: „Von Viktor zu Hartmann, Wege - Hanteln - Worte“, erschienen im Songdog Verlag, Wien, 104 Seiten, 14 Euro 

von admin am 01.08.2014 um 20:06:54

Am 23. August erscheint bei Tropen/Klett-Cotta Doblers neuer Roman "Ein Bulle im Zug". Die ersten 25 von 350 Seiten kann man hier lesen:

http://www.klett-cotta.de/buch/Literarischer_Krimi/Ein_Bulle_im_Zug/48932

von admin am 28.01.2014 um 23:44:22

Meine Rezension zu Mcdonalds "The Brave" aus der aktuellen Ausgabe des Drecksack

Manchmal passiert im sogenannten Literaturbetrieb Außerordentliches. Da klopft eine Bibliothekarin mit der
deutschen Erstübersetzung von The Brave, einem von Johnny Depp im Jahre 1997 verfilmten Roman des
Autors Gregory Mcdonlad, an die Türen von Großverlagen, wird abgewiesen und landet schließlich beim
kleinen Songdog Verlag in Wien. Sehr strange, wenn man bedenkt, dass Depp, der in den letzten Jahren zum
internationalen Superpiraten mutierte, bei dem Streifen nicht nur die Regie übernahm, sondern neben Marlon
Brando auch als Schauspieler mitwirkte.
Heißer Scheiß, werden jetzt manche denken: Vorne aufs Cover ein Bild von Depp und/oder Brando und das
Buch ist morgen in der SPIEGEL-Bestsellerliste. Doch wer das denkt, kennt Andreas Niedermann, Autor und
Verleger des Songdog Verlags, schlecht. Der macht sowas nicht. Einzig auf dem Buchrücken ist zu der
prominenten Filmadaption ein kurzer Vermerk zu finden. Warum das der Niedermann so und nicht anders
macht, weiß ich nicht. Aber es ist okay, weil dieses Buch eben mehr ist, als die Vorlage für einen Film mit
Starbesetzung.
The Brave ist eine krasse, brutale Geschichte und vielleicht scheuten sich auch deswegen Verlage wie Rowohlt
und S. Fischer davor, das Ding zu publizieren. Der Autor selbst warnt bereits im Vorwort vor Kapitel c, in
welchem der Leser ohne Umschweife und sehr drastisch Einblick in das „Drehbuch“ eines Snuff-Videos erhält.
– Das geht an die Nieren. (Für die, die es nicht wissen: Snuff-Filme sind Aufzeichnungen realer Foltermorde,
die einer perversen Zielgruppe beim Abspritzen helfen.) 

Rafael, der Protagonist von The Brave, bewirbt sich für die Hauptrolle, sprich als Opfer, in eben einem dieser
Snuff-Filme. Doch warum? Welcher Wahnsinnige sucht nach so einem „Job“?
Bereits in seinem Vorstellungsgespräch erfahren wir, dass Rafael die meiste Zeit besoffen ist und mit seiner
Frau Rita und den drei gemeinsamen Kindern in Morgantown, einer illegalen Slumsiedlung neben einer
Müllkippe wohnt. Er ist Analphabet. Sein Vater ist krank, seine Schwiegermutter siecht langsam vor sich hin
und auch die eigene verrottende Leber, das weiß Rafael, machts nicht mehr lange: „Schließlich war er sich
klar darüber geworden, dass die Zeit lief, wenn er noch etwas zum Verkaufen haben wollte.“
Rafael ist am Ende. Ein unterernährter Alki-Indianer, ohne Geld, ohne Arbeit, ohne Zukunft. In der Hoffnung,
seiner Familie ein menschenwürdiges Leben, oder besser – überhaupt eine Perspektive ermöglichen zu können,
geht er auf den Deal mit McCarthy, dem Snuff-Filmproduzenten ein. Dieser gibt ihm einen Vorschuss von
dreihundert Dollar und verspricht, nach Rafaels Tod dessen Familie den Rest der vereinbarten Dreißigtausend
zukommen zu lassen.
Man kann vermuten, wie die Sache ausgehen wird. Dass es wahrscheinlich keine andere Möglichkeit für Rafael
geben kann, als den mit McCarthy vereinbarten „Vertrag“ zu erfüllen. Das Packende an Mcdonalds
(Passions-)Geschichte sind die darin beschriebenen zwei Tage, die Rafael bis zu seiner geplanten Hinrichtung
bleiben: „Gerade hatte er erkannt, dass er jetzt etwas wusste, was er vorher nicht gewusst hatte und was sehr
wenige Leute von sich wussten: wo und wann und wie... er zu Tode kommen würde.“
Dieses Wissen und die Aussicht, seiner Familie dreißigtausend Dollar zu vermachen, verändern Rafael. Er
trinkt weniger und fängt an, das vermeintliche Schicksal der Slumbewohner zu hinterfragen. Als schließlich ein
Kind beim Durchstöbern der Müllkippe von einem Aufseher angeschossen wird, mahnt er die kleine
Slumgemeinde, die illegale Trailersiedlung zu verlassen. Seine Frau, die wie die anderen nichts von Rafaels
Vereinbarung mit McCarthy ahnt, sieht darin keinen Ausweg: „Keiner von hier kommt noch irgendwohin.“
Obgleich McCarthy Rafael das Vorgehen bei seiner anstehenden Ermordung bis ins Detail schildert (Kapitel c),
scheint dieser keinen Moment an seiner Entscheidung, sich für seine Familie und Freunde zu opfern, zu
zweifeln. Er weiß, was auf ihn zukommt. So bemerkt er, als er in der Kirche seine Bußgebete aufsagt: „Jesus
Christus... wenn‘s mit mir zu Ende geht, bin ich ein blutigerer Haufen als Du.“
Ja, The Brave ist nichts für Zartbesaitete. Doch trotz des Elends schafft Mcdonald auch immer wieder intime
Augenblicke voller Anteilnahme und Zärtlichkeit. Zum Beispiel, als Rita den Truthahn, den Rafael von seinem
Vorschuss besorgt hat, zubereitet und an ihre Nachbarn verteilt. Wenn dann alle in dem heruntergekommenen
Tankstellenladen satt und in sich gekehrt den Braten verdauen, dann ist das, obwohl sonst alles total beschissen
aussieht, ein feierlicher, geradezu leuchtender Moment.
Es sind Stellen wie diese – die Warmherzigkeit, mit der die Bewohner von Morgantown miteinander umgehen
oder die Betrachtung des Farbenspiels eines Sonnenuntergangs über der Mülldeponie, die aus dem ohnehin
guten Roman einen großartigen machen.

Zum Schluss noch eine Empfehlung an alle, die den Film nicht gesehen haben, vor allem aber an diejenigen, die
den Film kennen: Vergesst ihn. Besorgt euch den Soundtrack von Iggy Pop und lest das Buch.

Gregory Mcdonald: „The Brave“, aus dem Amerikanischen und mit einem Nachwort von Annette Lorenz,
erschienen im Songdog Verlag, Wien, 186 Seiten, 18 Euro

von admin am 29.11.2013 um 03:20:49

Sehr geehrte Damen und Herren – liebe Freunde, Kollegen und Leser: 

was ursprünglich eine kleine Sondernummer werden sollte, hat sich in den letzten Wochen zu einem rund 90 Seiten dicken superbastard-extra entwickelt. Das liegt nicht daran, dass wir alles drucken, sondern an den vielen verdammt guten Texten, Gedichten und Fotografien, die unsere Redaktion erreichten. 

*LOVE CHILD* – superbastard extra #1 
Songdog Verlag Wien 
Paperback, 88 Seiten 
€ 9,95 (zzgl. Porto und Versand)
ISBN 978-3-9503557-2-7

Gedruckt wie immer bei MARO, Erscheinungsdatum pünktlich zu Weihnachten. 

Wer vorbestellen möchte, darf das gerne tun und bekommt den Sonderbastard zum Sonderpreis von € 8,00 (zzgl. € 2,00 für Porto und Versand). – Bitte bis 30. November eine E-Mail an mich. 

Unter den Autoren finden sich einige altbekannte Bastarde wie Florian GüntherJerk GötterwindMichi SailerAndreas NiedermannUrs Böke und Ni Gudix, aber auch Bastard-Babys wie Christin ZenkerMarvin ChladaConstanze RamspergerMarcus MohrSusann Klossek und Marc Mrosk

Dazu zwei exklusive Übersetzungen: Metta Victor (Aus dem Amerikanischen von Ni Gudix) und Ingvar Ambjørnsen (Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs). 

Stargast ist diesmal Georg Büchner

Außerdem … Fotografien von Deborah ParkinJacqueline RobertsFlorian Waadt und Florian Günther

Für Liebhaber anspruchsvoller Underground-Literatur das Weihnachtsgeschenk unterm Christbaum!

Tags: - 2 Kommentare
von admin am 10.10.2013 um 19:03:05

Ab 7.10. bei Edition Tiamat: Franz Doblers "A BOY NAMED SUE - AUS DEN MEMOIREN EINES ZERSTREUTEN MUSIKLIEBHABERS

192 S., 2 s/w-Abb., 14.- 

Dobler: "Der Band versammelt Artikel, Reportagen, Notizen aus Tagebüchern und Buchauszüge, die ich von 1978 bis gestern verfasst habe. Etwa 40 Seiten sind neu bzw. unveröffentlicht. Die Fußnoten sollte man nicht unterschätzen."

Inhaltsangabe auf der Rückseite: „Zwischen Country und Free Jazz, Johnny Cash und 39 Clocks und einem Konzert in Dachau, geht es selten um das Abhaken von Aktuellem, aber immer auch um das Schreiben an sich, als wäre der Musikbericht eine Short Story oder das Kapitel eines Romans. Ein Lesebuch für alle, die nicht eine Schublade, sondern Musik lieben.“

von admin am 03.07.2013 um 17:43:18

Florian Günther 

"...eine Lesung der Superlative" (a3 Kultur) 

"Tagestipp!" (neue szene Augsburg) 

"Eine Monsterlesung mit Staraufgebot" (Augsburger Allgemeine) 

Setlist 

von admin am 30.04.2013 um 19:27:29

Kaum Unterschiede

Jeder von uns hatte schonmal
einen feuchten Furz in der Hose 
und es wird niemanden geben
der noch nie in die Badewanne pinkelte. 

Ganz egal wer... 
Hitler, Gandhi oder die Olsen Zwillinge: 
Keiner von uns kann behaupten, sich nicht 
wenigstens einmal den Finger in den Po gesteckt
und anschließend daran gerochen zu haben. 
Ein schwuler Jude aus Tel Aviv scheißt auf
die gleiche Art wie ein Imam aus Riad 
und sowohl der Papst als auch Fidel Castro 
fummeln unter der Decke an ihrem Joystick.

Wie die meisten Säugetiere träumen auch wir 
schrecken nachts aus unseren Albträumen hoch 
entkommen, das Kissen umklammernd 
um ein Haar der bodenlosen Tiefe. 
Schließlich, wenn sich der Puls beruhigt 
finden wir uns in der Einsamkeit wieder 
alleingelassen von Gott und unseren Müttern 
die wir nur noch selten anrufen.

Wir alle krochen aus demselben Loch in das
unsere Väter 9 Monate zuvor ihren Samen pumpten. 
Wir alle teilen letztendlich dieselbe Angst 
vor dem sicheren Tod.

Seltsam, dass man sich trotzdem ständig 
auf die Eier geht. 

von admin am 18.04.2013 um 21:29:34

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll... vielleicht damit: Ich bin begeistert. Heute lag Urs Bökes neuer Gedichtband bei mir im Briefkasten. 

Titel: „Land ohne Verfassung“ – ein kleines Büchlein und, wie sein bereits 2012 erschienenes Buch „Eine Hinrichtung irgendwo“, aufwendig von Hand gesetzt und streng limitiert (50 Exemplare). „Underground pur“, so Böke.
Doch noch schöner als das Buch anzufassen, ist es darin zu lesen. Anders als bei den meisten Gedichtbänden, legte ich diesen erst wieder aus der Hand, als ich auf der letzten Seite angekommen war.
Bökes Poesie war schon immer besonders – besonders gut, besonders drastisch und weit weg von Phrasen und Klischees. Wo andere Dichter zwei Seiten brauchen und den Punkt immer noch nicht treffen, trifft Böke mit nur zwei Zeilen voll in die Magengrube. Seine Sätze bleiben im Hals stecken, sind bitter und teilweise böse. Andererseits macht die scheinbare Leichtigkeit mit der Böke seine Worte findet das Ganze dann doch bekömmlich – wie ein durch die Luft segelnder Molotowcocktail, der letztendlich genau da einschlägt, wo er gebraucht wird.
Keine Mogelpackung also, sondern gute Medizin für die Bewohner des „Landes ohne Verfassung“, in dem der Tagessatz eines Hartz-IV-Empfängers niedriger ist als der eines Polizeihundes.
Es ist das Land der Gutmenschen, die nie eine Revolution zu Ende führen, sondern lieber ihren Saab polieren; das Land der Dichter und Denker vor der Sportschau; das Land, aus dem den deportierten Juden ihre Koffer nachgeschickt werden sollten.
Ja, Bökes Lyrik tut weh. Doch sein Hass und seine Wut sind nur berechtigt.
Ich bin stolz darauf, nun eines der 50 Exemplare zu besitzen und weiß schon jetzt, dass dieses Buch mehr Zeit neben meinem Bett, auf dem Klo oder Schreibtisch verbringen wird als im Regal. Ganz große Literatur – und trotz einiger anderer nennenswerter Neuerscheinungen, der bisher beste Gedichtband dieses Jahres.

von admin am 03.04.2013 um 17:37:17

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