Johann Christian Friedrich Hölderlin

Johann Christian Friedrich Hölderlin (*1770 in Laufen am Neckar, †1843 in Tübingen) studierte zunächst an der Universität Tübingen, wo er Hegel und Schelling kennenlernte. Da er eine kirchliche Laufbahn ablehnte, arbeitete er 1793 auf Empfehlung Friedrich Schillers als Hauslehrer bei der Schriftstellerin Charlotte von Kalb.

Ab 1974 Theologiestudium in Jena, wo er Goethe begegnete. 1976 Anstellung als Hauslehrer bei der Familie des Frankfurter Bankiers Jakob Gontard, dessen Ehefrau Susette Hölderlins große Liebe wurde und ihm später als Modell für die Diotima in seinem Briefroman Hyperion diente.

Als Gontard schließlich die Beziehung aufdeckte, flüchtete Hölderlin nach Homburg zu seinem Studienfreund Isaac von Sinclair. Obwohl ihm Schiller bei der gelegentlichen Veröffentlichung seiner Gedichte unterstützte, war Hölderlin immer wieder auf die finanzielle Hilfe seiner Mutter angewiesen. Er versuchte es erneut als Hauslehrer, zunächst in der Schweiz, dann in Frankreich; kehrte allerdings bereits nach kurzer Zeit zurück nach Schwaben. Ob er bereits während der Heimreise vom Tod seiner Geliebten Susette gehört hatte, bleibt unklar. Doch als Hölderlin Ende Juni 1802 in Stuttgart ankam, war er so heruntergekommenen und verwirrt, dass selbst Freunde ihn zunächst nicht erkannten. Er zog wieder bei seiner Mutter ein und arbeitete an der Übersetzung von Sophokles und Pindar.

1804 verschaffte ihm sein alter Freund Sinclair eine Stelle als Hofbibliothekar in Hessen-Homburg. Für den Homburger Landgrafen Friedrich V. schrieb er u.a. den Gesang „Patmos“. In dieser Zeit  wurden auch Hölderlins Nachtgesänge veröffentlicht.

Im Zuge der von Friedrich II. von Württemberg veranlassten Verhaftung Sinclairs wegen Hochverrats 1805, wurde Hölderlin ebenfalls in die Ermittlungen verwickelt. In einem gesundheitlichen Gutachten beschrieb der Homburger Arzt und Hofapotheker Müller Hölderlin als dem Wahnsinn verfallen. Bei der Mediatisierung Homburgs am 11. September 1806, wurde Hölderlin gewaltsam in die Authenriethsche Klinik nach Tübingen gebracht und dort 231 Tage mit dem Ziel „die Poesie und die Narrheit zugleich hinauszujagen“ zwangsbehandelt. 1907 Entlassung Hölderlins als „unheilbar“ und mit der Aussicht auf wenige weitere Lebensjahre.

Die nächsten 36 Jahre verbrachte er in Pflege bei der Familie des Tischlers und Hölderlin-Bewunderers Ernst Zimmer in deren Haus in einer Teestube über dem Neckar, heute als Hölderlinturm bekannt. Nach dem Tod Ernst Zimmers 1838 übernahm dessen Tochter Lotte die Pflege Hölderlins. Er war weiterhin schriftstellerisch aktiv und empfing oft Besuch, darunter Eduard Mörike und Wilhelm Waiblinger, der 1846, drei Jahre nach Hölderlins Tod, die erste Hölderlin-Biografie herausbrachte.

Obwohl heute Friedrich Hölderlins Werk als ein Höhepunkt deutscher Lyrik gefeiert wird, erschienen seine Gedichte und Hymnen zu Lebzeiten, abgesehen von einem schmalen Gedichtband, nur vereinzelnd. Erst nach seinem Tod begann man seine Aufzeichnungen zu sammeln und in Buchform zu publizieren.